In den Eingeweiden des Hauptbahnhofs

An die 40 Mitglieder des Gewerbevereins sind Untergrund-Aktivisten. Mit Helm bewaffnet näherten sie sich an einem Dienstagabend dem Objekt ihrer Begierde. Immer wieder Blitze, Staub, aus der Ferne eine warnende Sirene! - Die Nationalbank hat ihr Gold noch, Poller hin und her. Tatort war das Herzstück beim Bau der SBB-Durchmesserlinie, unter dem HB Zürich.

 

Selten im öffentlichen Bau: «Wir sind im Zeitplan und haben bisher keine Kostenüberschreitungen», meinte der Leiter der Baustellen-Führung. Der Zeitplan: Nach sechs Jahren Bauzeit kann ab Mitte des kommenden Jahres der erste Teil der Durchmesserlinie von Wiedikon über den Bahnhof Löwenstrasse (unter dem HB, auch unter der Sihl) bis Oerlikon genutzt werden.

Der zweite und letzte Teil folgt dann gegen Ende 2015, mit dem Bereich Altstetten bis Bahnhof Löwenstrasse. Die Kosten: Knapp über 2 Milliarden Franken sind es, auf der Preisbasis des Jahres 2005. Davon trägt der Bund zwei Drittel, insbesondere weil der Bahnhof Löwenstrasse auch vom Fernverkehr genutzt wird, der Kanton Zürich 677 Millionen Franken, gestützt auf die entsprechende Abstimmung im Jahre 2001.

Herzstück Löwenstrasse

Der Bau ist in vier Abschnitte eingeteilt: Brückenbauwerke Richtung Altstetten, Bahnhof Löwenstrasse, Weinbergtunnel und die Erweiterung des Bahnhofs Oerlikon. In den zwei Stunden, die den Mitgliedern des Gewerbevereins zur Verfügung standen, konnten natürlich nicht die rund fünf Kilometer des Weinbergtunnels begangen werden. Man beschränkte sich auf den Bahnhof Löwenstrasse – aber auch «nur» dort gab es mehr als nur genug zu sehen.

Er ist das Herzstück der Durchmesserlinie. 16 Meter unter den heutigen Gleisen 4 bis 9 des Hauptbahnhofs Zürich wird er gebaut – und zwar bei laufendem Bahnbetrieb. Dies ist für alle Beteiligten eine grosse Herausforderung. Angewendet wird die sogenannte Deckelbauweise: Dabei werden temporär jeweils zwei Gleise in der Perronhalle um 100 Meter verkürzt. Der dadurch gewonnene Platz steht dann für die Bauarbeiten zur Verfügung.

Da die Fernverkehrszüge mit entsprechend vielen Wagen verkehren müssen, sind die Perrons auch im Untergrund nicht weniger als 420 Meter lang. Baubeginn war im September 2007, die ersten Züge sollen hier ab Mitte des kommenden Jahres verkehren. Die Teilnehmer bewunderten vor allem die immense Leistung, einen solch komplexen Bau ohne unnötige Überschneidungen und Doppelspurigkeiten durchzuziehen. Vieles im besuchten Bereich ist schon fertiggestellt, anderes dient noch als Riesenlager – und von Ferne hörte man immer wieder das «Horni» des Zugswarners: Es geht vorwärts.

Das legendäre Gericht

Einst wieherten und schmatzten dort Pferde: Die Stallungen an der Gessnerallee waren Teil der Kaserne Zürich. Sie wurde 1864 bis 1876 erstellt. 1987 war der Umzug des Militärs ins Reppischtal abgeschlossen, womit Platz frei wurde für andere Nutzungen. In den ehemaligen Stallungen entstanden der Theaterspielort Gessnerallee und das Restaurant Reithalle.

Dank des guten Wetters konnte man bedenkenlos im Freien sitzen, idyllisch unter Lichtgirlanden. Auf dem Teller fand sich das wohl legendärste Gericht der Reithalle: der Hackbraten. Schmunzelnd wurde beim Studium der Getränkekarte festgestellt: die Preise haben garantiert nicht alternativen, sondern luxuriösen Charakter, zumal das Flüssige einzelsprungweise an der langen Bar geholt werden musste.

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